Freitag, 17. Oktober 2014

Der heilige Hafen / 14

Vor einigen Tage habe ich erwähnt, dass es in diesem Kapitel des Buches um das Gebet geht. Die Vorstellung von Gebet als Tätigkeit im Stillen, mit gefalteten Händen und gesenktem Kopf ist ermüdend und langweilig. Gott ist da viel kreativer als wir es uns trauen zu denken: Die im AT verwendeten Bezeichnungen für Gebet sind Tätigkeitswörter, wie zum Beispiel, streicheln oder sich niederwerfen. Der Versuch oder allein schon die Vorstellung geistliche Wahrheiten körperlich werden zu lassen, hat etwas anrüchiges. Doch die Hingabe zwischen Mann und Frau, das eins werden, ein Fleisch sein, ist ein häufig gebrauchtes Bild in der Bibel für die Art von Beziehung, die Gott mit seinen Geschöpfen haben möchte. Christus in uns.

Wir lieben Gott oft nur wegen dem, was er uns bringt und gibt. Das möchte man über seinen Partner eigentlich nicht sagen, oder? Die innere Haltung des sich hingebenden Betens bedeutet, dass ich bereit bin, alles, was Gott an Segen anbietet, aufzugeben, um nur ihn selbst zu haben.
Genau darum geht es auch beim wirklich guten Sex: den anderen glücklich zu machen, auch wenn es mir vielleicht keine Erfüllung bringt. Wenn beide dasselbe Ziel haben, passt es nämlich wieder.

Puh, eine echte Herausforderung solche Gedanken zu denken. Sie zusammen zu fassen und aufzuschreiben ist eine zweite. Doch die Idee dahinter, dass die Ehe das Gebetsleben beeinflusst und es sogar besser machen kann, finde ich logisch. Wenn ich lerne meinen Partner wirklich zu achten, seine sexuellen Bedürfnisse zu erfüllen, Zwietracht zu vermeiden und mich um Versöhnung zu bemühen, dann hat man auf jeden Fall nichts falsch gemacht und einem aktiven, wachsenden Gebetsleben steht nichts im Wege.

Ich glaube zwar auch, dass es nicht egal ist, wie ich lebe und meine Mitmenschen behandle - besonders meine eigenen Familienangehörigen. Doch sollte das alles auch nicht gesetzlich werden. Ich werde immer wieder schuldig, versage und verhalte mich ziemlich konträr zu dem oben beschriebenen Idealzustand. Trotzdem erhört Gott meine Gebete - Gott sei dank! Weil er gnädig und barmherzig ist. Weil ich mich eigentlich nie "gut genug" verhalten kann, um seinen Ansprüchen zu genügen. Deshalb ist dieser Ansatz des Buches ein interessanter und auch neuer Gedanke für mich, aber nicht das Maß aller Dinge!

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